Kyrie Irving von den Dallas Mavericks begründete am Mittwochabend, warum er die Strafe von Houston-Texans-Linebacker Azeez Al-Shaair aus Woche 1 der NFL übernehmen wollte: „Man muss aufstehen und Haltung zeigen.”

Die NFL hatte Al-Shaair mit 11.941 Dollar bestraft. Er trug beim Saisonauftakt der Texans gegen die Buffalo Bills den Namen Hind Rajab auf seinem Eye Black. Rajab war ein palästinensisches Mädchen, das im Jänner 2024 in Gaza getötet wurde. Nach Bekanntwerden der Strafe schrieb Irving auf X: „Ich kümmere mich um seine Strafe.”

Irving: „Ein selbstloser Akt”

„Er ist ein Freund von mir”, sagte Irving nach der 110:128-Auftaktniederlage der Mavericks bei den Houston Rockets. „Er ist ein Bruder, den ich in dieser Revolution sehe, die viele in dieser Generation vorantreiben. Es ist ein selbstloser Akt, wenn man sich für andere starkmacht, die selbst keine Stimme haben. (…) Ich denke, das sind kleine revolutionäre Handlungen: die Namen von Menschen zu tragen, den Namen eines Kindes wie Hind Rajab im Gesicht, und dann die Strafe zu akzeptieren und Verantwortung zu übernehmen.”

Rajab wurde gemeinsam mit fünf weiteren Familienmitgliedern getötet, als israelische Truppen in Gaza-Stadt das Feuer auf ihr Auto eröffneten. Zunächst überlebte sie und rief den Notruf an. Israelische Soldaten beschossen jedoch auch einen Rettungswagen, der entsandt worden war. Zwölf Tage später fand man Rajab und ihre Angehörigen tot im Auto, ebenso zwei Sanitäter in der Nähe. Das israelische Militär räumte im August ein, das Feuer auf die Fahrzeuge eröffnet zu haben, und gab an, ein Strafverfahren eingeleitet zu haben.

„Ich glaube, die meisten von uns wissen, was weltweit gerade passiert”, sagte Irving. „Es verlieren sehr viele unschuldige Menschen ihr Leben, vor allem Kinder. Immer wenn es Krieg oder Konflikt gibt, gibt es unglückliche Todesfälle und Morde. Und wir hier in Amerika genießen den Luxus, abends in schönen Schlafzimmern ins Bett zu gehen, mit Dingen, die bezahlt sind. Wenn unsere Steuergelder in Dinge fließen, mit denen wir nicht unbedingt einverstanden sind, muss man aufstehen.”

Nicht Al-Shaairs erste Strafe

Die Strafe vom September war nicht die erste Sanktion für Al-Shaair wegen eines Verstoßes gegen die Uniformregeln der NFL. Diese verbieten Spielern, persönliche Botschaften ohne vorherige Genehmigung zu zeigen. Seit Beginn des aktuellen Krieges erhielt er mehrfach Strafen, weil er auf seinem Eye Black Unterstützung für Palästina ausdrückte. Der Krieg begann, als Hamas-geführte Kämpfer am 7. Oktober 2023 Israel angriffen, rund 1.200 Menschen töteten und 251 weitere verschleppten. Israel reagierte mit einer Militäroffensive, bei der zehntausende Palästinenser getötet wurden. Den Vorwurf des Völkermords, den immer mehr Organisationen und Experten erheben, weist Israel entschieden zurück.

In Woche 2 gegen die Cincinnati Bengals trug Al-Shaair laut The Athletic während des Aufwärmens den Namen Wafaa Akila auf dem Eye Black, eines weiteren palästinensischen Mädchens, das in Gaza bei einem israelischen Angriff getötet wurde. Al-Shaair bestätigte, dass ihm ein Liga-Vertreter mitgeteilt habe, er dürfe nur spielen, wenn er das Eye Black entferne. Er kam der Aufforderung nach.

Im Jänner wurde er mit 11.593 Dollar bestraft, weil er beim Wild-Card-Sieg der Texans gegen die Pittsburgh Steelers „stop the genocide” auf dem Eye Black trug.

Al-Shaair kritisiert Reaktion der NFL

Al-Shaair erklärte, er sei mit der Reaktion der NFL unzufrieden. Die Schrift auf seinem Eye Black bestehe „nur aus Namen, die man googeln kann”.

„Es ist nicht kontrovers, es Völkermord zu nennen”, sagte Al-Shaair. „Aber gut, spielen wir dieses Spiel. Ich habe nichts davon draufgeschrieben. Ich habe den Namen von jemandem draufgeschrieben. (…) Schaut sie nach. Sagt mir, was das ist, und dann sagt mir, was ihr darüber denkt. Wenn ihr jetzt einen Sohn oder eine Tochter hättet, die in einer Schule mit einem Amokläufer eingeschlossen sind, und sie bombardieren die ganze Schule, weil sie eine Person suchen. Und sie sagen: ‚Hey, wir haben unseren Mann’, aber eure Kinder und alle anderen in der Schule sind tot. Wärt ihr glücklich, dass sie den einen Mann erwischt haben, oder würdet ihr dasitzen und sagen: ‚Was zum Teufel stimmt mit euch nicht?'”

Im September sagte Al-Shaair lokalen Reportern, er und Irving hätten „mehrfach miteinander gesprochen” und seien sich „bei der Sache einig, nämlich bei der Menschlichkeit”.

Irving beendete seine Antwort am Mittwochabend mit den Worten: „Diese Mission ist größer als nur ich und Azeez.”

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